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Festspielhäuser, die nie gebaut wurden; ein Besuch im Salzburg Museum

Ich habe vermutlich schon irgendwo erwähnt, dass ich auch heuer wieder meinen persönlichen Festspielguide mit ungewöhnlichen Informationen füllen möchte. Mir ist wichtig, dass bei diesen Informationen immer ein persönlicher Hintergrund vorhanden ist. Und dieser war bei meiner Recherche im Salzburg Museum gegeben. Die Welt ist ein Dorf und Salzburg ganz besonders. Immer wieder bemerke ich, wie viele Menschen aus meinem Umfeld irgendetwas mit unserem großen Kulturfestival zu tun haben, auch wenn es nur indirekt ist.
So bin ich auf Mag. Peter Husty gestoßen, der vor ewigen Zeiten an meiner ehemaligen Schule, dem Bundesgymnasium Hallein, eine oder zwei Klassen unter mir, Schüler war. Man kannte sich damals schon. Und vor allem war seine inzwischen leider verstorbene Mama über Jahrzehnte Hebamme in Hallein und hat dort ganz vielen Eingeborenen auf die Welt geholfen, so auch mir. Das verbindet irgendwie lebenslänglich.
Peter Husty hat sich die Zeit genommen mir die laufende Ausstellung im Salzburg Museum über nicht gebaute Festspielhäuser näher zu bringen.

Innenhof Salzburg Museum

Kurator Slazburg Museum Peter Husty

Gauforum und Festspielhaus am Kapuzinerberg

Ich interessiere mich für diese Materie schon länger. Und zwar, seit ich vor einigen Jahren, die wenig bekannten Pläne von Otto Strohmayr und Otto Reitter im Salzburger Stadtarchiv sehen konnte. Diese Pläne stammen aus der unseligen Zeit. Die beiden Halleiner Architekten waren ab 1941 von Hitler persönlich beauftragt, Salzburg als Gauhauptstadt umzugestalten. Dazu zählte ein Monsterbau am Kapuzinerberg, der unter anderem nicht nur ein Gau Forum, sondern auch ein neues Festspielhaus beinhalten sollte.
Man wollte damit die jüdischen Wurzeln des Kulturfestivals endgültig kappen. Zum Glück muss man sagen, konnten diese Bauten aus finanziellen Gründen nicht mehr realisiert werden und dem Stadtbild blieb sehr viel erspart.

Fotos vom Modell zeugen heute noch von diesem baulichen Größenwahnsinn. Das Modell ist angeblich erst in den 70er Jahren von Verwandten von Otto Strohmayr zerstört worden. Übrig blieb lediglich das Modell des Festspielhauses, das auch im Museum zu besichtigen ist.

Modell Gauforum salzburg Strohmayr, Reitter

Originalmodell Festspielhaus Gauforum Salzburg

Erste Pläne schon im 19.Jahrhundert

Das war jedoch nicht der einzige Plan für eine Kulturstätte für die Festspiele. Schon Ende des 19. Jahrhunderts, also lange vor Max Reinhardt und der Gründung der heutigen Festspiele, wurden erste Pläne für ein großzügiges Haus am Mönchsberg geschmiedet. Man blickte nach Bayreuth und zum Kult rund um Wagner und wollte dies in Salzburg rund um Mozart umsetzen. Beauftragt wurden die bekannten Wiener Architekten Helmer und Fellner, die Pläne wurden nie umgesetzt, die beiden durften jedoch das heutige Landestheater gestalten.
Wenig später, 1899 plante Siegfried Sitte ein sehr pompöses Haus. Davon gibt es Grund- und Ansichtspläne, jedoch konnte nicht festgestellt werden, wo diese Haus stehen hätte sollen.

Erste Pläne Festspielhaus Salzburg

Ungebautes Festspielhaus Salzburg

Haus am Bürgelstein und Pläne für Hellbrunn

Aus dem Jahr 1918, zwei Jahre vor der Gründung, stammt ein Studienprojekt von Martin Knoll. Der Architekt zeigte sich für mehrer bekannte Bauten in Salzburg verantwortlich, so etwa der Posthof in der Kaigasse. Dieses Objekt sollte am Bürgelstein entehen. In unmittelbarer Nähe des heutigen Unfallkrankenhauses.
Das wohl interessanteste Projekt war im Park von Hellbrunn geplant. Ein stufenförmiger Rundbau, bei dem auch ein großer Teil der Umgebung miteinbezogen werde hätte sollen. Die Pläne von Hans Poelzig kann man in Form eines Modells heute noch bestaunen.
In den 20er Jahren wurde dann die Reithalle adaptiert, die heute noch Teile der Festspielhäuser beherbergt.

Plan Festspielhaus am Bürgelstein in Salzburg

Modell Festspielhaus in Hellbrunn bei Salzburg

Austellung Festspielhaus Modelle im Salzburg Museum

Mönchsberg, Bau des großen Festspielhauses und ein Plan aus 1997

Nach dem Krieg wandte man sich wieder einmal dem Mönchsberg zu. Eine Musik Olympiade sollte in Salzburg entstehen. Gleichzeitig dachte man darüber nach, neben dem Schloss Mirabell eine neues Festspielhaus zu erbauen. Auch davon gibt es Planzeichnungen.Ab 1956 kam es dann zum Bau des großen Festpielhauses, so wie man es heute kennt.
1997 gab es dann noch eine spektakuläres Projekt für einen Neubau des kleinen Hauses und zwar oberhalb des Neutores. Der Hintergrund dazu war das Mozart Jubiläumsjahr 2006. realisiert wurde hingegen ein nicht ganz unumstrittener Umbau des Kleinen Festspielhauses zum Haus von Mozart.
Noch bis Ende 2019 kann man die Ausstellung im Salzburg Museum besuchen, Dann geht es in das große Jubiläumsjahr der Festspiele, dem eine große Ausstellung gewidmet sein wird.

Musik Olympiade in Salzburg

Festspielhaus im Salzburger Mirabellgarten, Plan

Info für die werte Leserschaft
Salzburg Museum in der neuen Residenz

Salzburg Museum 
MOZARTPLATZ 1
5010 SALZBURG
+43-662-62 08 08-700
office@salzburgmuseum.at
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Sonntag 9–17 Uhr
Persönlicher Hinweis: Bei Vorlage eines Behindertenausweises ist der Eintritt gratis.

3 Comments
  • Gisela
    Februar 25, 2018

    Was für ein wunderbarer Bericht. Man muss ihn mehrere Male lesen. Deinem Blog werde ich folgen. Danke für diese ausführlichen Berichte und Deinen Blick für liebenswerte Details.

  • Amely Rose
    Februar 26, 2018

    Wirklich toller Post, ich finde die Architectur sagt so viel aus über eine Stadt/Land, Zeit etc.
    Salzburg steht auch schon viel zu lange auf meiner Travel Bucket list,
    das muss sich echt ändern. Danke liebe Claudia für die tollen Eindrücke.

    schau gerne auf meinem BLOG vorbei und auf INSTAGRAM

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