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Persönliches

Allerheiligen, ein Blick ins Familiengrab

Allerheiligen steht vor der Türe. Auch wenn man keiner christlichen Religion angehört, so ist man in unseren Breitengraden um den 1. November immer irgendwie mit dem Thema Grab und Totengedenken konfrontiert.
Ich bin keine Grabgeherin. Drei-, viermal im Jahre besuche ich meist mit meiner Mama unser Familiengrab, das ein in einem kleinen Ort südlich von Salzburg liegt. Es geht dann vorwiegend um die Grabpflege. Auch vor Allerheiligen richten wird dann die letzte Ruhestätte eines Teiles unserer nahen Verwandtschaft her. Wegen der Nachrede kann man ruhig behaupten.
Mein Großvater war in diesem Ort vor 50 Jahren Lehrer und es gibt noch genug Menschen, die seine Schüler waren. Das würde wahrlich nicht sehr gut ankommen, wenn das Grab vom Lehrer nicht ordentlich aussehen würde.

DIE HALBE FAMILIE IST IM GRAB VEREINT

In diesem Grab liegen meine Urgroßmutter, meine Großeltern, meine Tante und ihr Mann, sowie deren Sohn. Mein vor sechs Jahren viel zu früh verstorbener Cousin, mit dem ich aufgewachsen bin. Mit diesen Menschen habe ich viele Jahre in einem Haus gelebt, sie waren die Begleiter meiner Kindheit und Jugend. Meine Kindheit war wunderbar, wenn auch nicht immer ganz perfekt. Aber welches Familienleben ist das schon. Meine Urgroßmutter, die eigentlich die Urgroßtante war, wurde mit jedem Jahr schwieriger und hatte sich in den letzten Monaten darauf spezialisiert, ihre Adoptivtochter, die eigentlich die Nichte war, zu tyrannisieren. Ja, meine Omi musste damals wirklich gute Nerven haben. Da war nicht nur die anstrengende Gogga, da waren auch noch drei Enkelkinder im Kleinkinderalter im Haus.
Mein Onkel, der Mann meiner Tante, ein intelligenter Mann mit vielen patenten Qualitäten, war zeitweise ein etwas komplizierter Zeitgenosse. Das genaue Gegenteil, mein Großvater, der Mitte der 70er Jahre sehr plötzlich verstarb, imponierte mir als Kind stets mit seinem umfangreichen Wissen und seiner großartigen Bildung. Ich habe ihn sehr verehrt, heute würde ich vermutlich große Diskussionen über seine politische Einstellung in den unseligen Zeiten führen.

MEINE OMI, MEIN LEBENSMENSCH

Meine Omi bezeichne ich heute noch als meinen Lebensmensch. Ich bin bei ihr aufgewachsen und sie hat die letzten 15 Jahre ihres Lebens in unserem Haus verbracht. Sie war zum großen Teil dafür verantwortlich, dass mein Unternehmen Familie so vorzüglich klappte. Auch heute, 14 Jahre nach ihrem Tod fehlt sie mir immer noch sehr.
Meine Tante, die Schwester meiner Mama, war eine angepasste Frau, die viele ihrer Qualitäten bedeckt hielt. Sie hat diese Welt vor acht Jahren zu früh verlassen. Andererseits muss man fast sagen, gut, dass sie gehen konnte, da ihr ein Schlaganfall das Leben sehr schwer gemacht hatte.
Ja und mein Cousin ist mit 53 vollkommen ohne Vorzeichen durch einen Herzinfarkt verstorben. Er war für mich stets wie ein Bruder.
Und diese so unterschiedlichen Menschen teilen sich nun seit mehr oder weniger Jahren einen Kubikmeter Erde. Jedes Mal wenn ich dort am Grab stehe und Unkraut auszupfe habe ich ganze Szenen vor mir, wie sie untereinander nun agieren würden. Gogga, die alle herumkommandiert, Opa, der akribisch Federzeichnungen auf kleinen Papierstückerln vollbringt, der Onkel, der zu knapp vor dem zu lauten Fernseher sitzt und Zigaretten qualmt, während meine Tante ein Dirndlkleid näht. Meine Omi, die in der so verhassten Kleiderschürze für die ganze Familie eine Köstlichkeit kocht und mein Cousin, der mit einem Werkzeug bewaffnet irgendeine nicht enden wollende Arbeit im Haus verrichtet.
Vielleicht sitzen sie auch alle da unten und spielen Mulatschag, das Kartenspiel, das wir über ganz viele Jahre jeden Samstag nachmittag gespielt haben.

Ob die Stimmung immer ganz vergnügt ist, das bin ich mir nicht ganz so sicher.

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