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Lifestyle / Persönliches

Was ändert sich, wenn man den 50er überschritten hat?

Ich denke ja bald vier Jahre  über dieses Thema nach. Meinen 50er wollte ich eigentlich immer sehr aufwändig und glamourös begehen, so hatte ich es zumindest in früheren Jahren im Visier. Dass ich dann tatsächlich diesen runden Geburtstag fern von der Heimat und dem größten Teil meiner Familie im Burgenland in einer onkologischen Reha-Klinik verbringen sollte, ist wieder ein anderes Thema. Die Zahl 50 hatte in dieser Zeit auch vollkommen an Bedeutung verloren, andere Lebensziele waren mir da wirklich wichtiger. Jetzt sind seit meiner Erkrankung fünf Jahre vergangen, ich gelte als geheilt, bin aber in vielen Belangen des Alltages eingeschränkt. Manche Defizite bekommen andere Menschen wenn sie den 80er überschreiten, ich kämpfe heute schon mit Schwerhörigkeit, Problemen mit der Zahnprothese, mangelndem Gefühl in den Fingern, Vergesslichkeit in Form eines Chemobrains und vor allem mit einer schweren Dysphagie.

FALTEN SIND NICHT SEXY

Das alles ist mein Alltag, damit lebe ich fast immer sehr gut.
Trotzdem hat sich neben diesen Unannehmlichkeiten so einiges altersbedingt eingeschlichen. Nicht alles empfinde ich als vorteilhaft. Allen voran, das erschlaffende Bindegewebe. Ich finde auch Falten nicht sehr sexy, auch wenn das heute als Zeichen für Weisheit und Reife angesehen wird. Körperliche Wehwehchen häufen sich. Da ein kleiner Ischias, dort ein Fersensporn. All das sind Belastungen, die man mit 30 noch nicht wirklich wahrnimmt oder schlicht einfach nicht kennt. Ich merke auch, dass man im Herzen noch so jung sein kann, manche Dinge passen nicht mehr in das Leben über 50. Ja, das sind im Großen und Ganzen gesellschaftliche Zwänge. Aber das Rebellentum und gegen den Strom schwimmen ist für mich auch so ein Ding für die Jungen. Ich bin keine Revoluzzerin mehr. Ich möchte eigentlich in Ruhe und Zufriedenheit leben, auch in schwierigen Zeiten, wie in diesen, in denen wir uns gerade befinden. Das bedeutet nicht, dass ich nichts mehr erleben oder erlernen möchte, ganz im Gegenteil.
Ich reise viel, gehe gerne aus und bin offen für Neues. Nur halt anders als früher. Zelturlaub oder Hotels ohne Komfort mag ich heute nicht mehr, da würde ich dann lieber Zuhause bleiben. Statt auf Rockkonzerte gehe ich heute lieber in die Festspiele und ins Museum. In die Disco würde ich auch heute noch öfter gehen, aber spätestens, wenn man das erste Mal hört, dass irgendein Junghüpfer fragt, was denn die Oma da machen würde, kommt man sich ein wenig fehl am Platz vor.

VERÄNDERTE ANSPRÜCHE

Auch meine Ansprüche beim Essen sind ganz anders, und das hat nicht nur mit meiner Esseinschränkung zu tun. Vielleicht haben sich die Zeiten diesbezüglich generell geändert und nicht nur ich. Qualität ist mir da besonders wichtig.
Selbst bei Kleidung hat sich die Einstellung verändert. Das liegt nicht nur an meiner großen Liebe zu Beige, das gerne als Pensionistenfarbe bezeichnet wird. Ich würde heute manches auf Grund meines fortgeschritten Alters nicht mehr tragen. Zum Beispiel Shorts oder kurze Miniröcke, obwohl ich immer noch sehr schlanke, wohlgeformte Beine habe. Ich fühle mich einfach nicht mehr wohl darin.
Oft bemerke ich auch, dass man seine Verhaltensweisen verändert. Ich bin bemüht, nicht als überwutzelte Alte dazustehen, das kann nämlich relativ schnell passieren, wenn man sehr viel mit Menschen der nächsten Generation unterwegs ist. Und das bin ich, einerseits, weil meine vier Kinder junge Erwachsen mit vielen Freunden sind, und andererseits gerade in der Bloggerszene der Altersschnitt unter 35 Jahren zu liegen scheint. Ja, ich werde tatsächlich manchmal gefragt, wie ich denn so mit dem ganzen Social Media Kram zurecht käme, als wäre es ein Wunder, dass ich überhaupt ohne Seniorenhandy unterwegs bin.

50PLUS IST RUHIGER UND TROTZDEM WUNDERBAR

Auch meine sportlichen Aktivitäten laufen in eine andere Richtung. Ich kann nicht mehr joggen, meine Fußgelenke möchten das nicht mehr. Dafür gehe ich in einem Tempo, bei dem kaum jemand mithalten kann, spazieren. Und wenn möglich, mindestens 10000 Schritte am Tag. Das sind gute 7 km. Sport spielt sich für mich hauptsächlich Indoor ab. Ich bin inzwischen eine leidenschaftliche Fitness-Club-Anhängerin, auch wenn ich mich manchmal selber motivieren muss. Was ich gerne wieder nach vielen Jahren Pause machen würde, das ist Schi fahren.
Und trotzdem ist das Überschreiten dieses magischen Alters auch sehr positiv besetzt. Erfahrungen machen tatsächlich weiser und klüger. Ich bin in vielen Dingen auch wesentlich gelassener. Vieles, das mich früher auf die Barrikaden gebracht hat, kann mich heute nicht mehr aufregen und hat schlicht an Wichtigkeit verloren. Meine Kinder sind tolle Erwachsene geworden und ich kann wieder ein freies, unbeschwertes Leben genießen. Nicht zu vergessen, wie wertvoll eine beständige Langzeitbeziehung ist, wenn man sich genügend Freiräume gönnt, die ich für absolut wichtig halte. Ich bin ja krankheitsbedingt in Pension, das bringt zwar finanzielle Nachteile, dafür aber unendlich viel wertvolle Freizeit, die ich auch sehr sinnvoll nütze. Ich engagiere mich noch wesentlich mehr  als früher ehrenamtlich und unterstütze diverse Projekte.
Auch wenn ich manchmal ein wenig sehnsüchtig an die Zeiten zwischen 30 und 40 denke, das war meine tollste Lebensphase, so ist dieses Jahrzehnt ein wenig ruhiger und trotzdem wunderbar.

9 Comments Was ändert sich, wenn man den 50er überschritten hat?

  1. Tanjas Bunte Welt

    Hallo Claudia,
    alles hat positive und negative Seiten. Das dein runder Geburtstag nicht so abgelaufen ist wie du es dir vorgesthast, tut mir leid. Habe den Bericht dazu ja gelesen. Es ist trotzdem nur eine Zahl, wahrscheinlich weil mir diese Geburtstage egal sind. Man ändert sich im Laufe der Zeit und Erfahrungen, das merke ich mit 35 auch schon, und komme mir gerade in der Bloggerszene schon alt vor.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag und liebe Grüße

    1. Claudia Braunstein

      Liebe Tanja, die Zahl ist eigentlich unwichtig, da gebe ich dir Recht. Ich feiere halt gerne, und da eignen sich runde Geburtstage ganz gut dafür. Ja, in der Bloggerszene bin ich tatsächlich fast ein Unikat, Ü-50 gibt es da beinahe niemanden, da muss man schon sehr intensiv suchen. Bei Ü-40 ist das schon wieder anders. Da entwickelt sich die Szene ganz gut. Ich sehe halt schon einen Unterschied zwischen 40 und 50, da verändert sich gerade körperlich sehr viel, nicht immer zum Vorteil. Ich weiß natürlich nicht, was ohne meiner Erkrankung passiert wäre, da hat mich viel Substanz gekostet. Dir auch einen schönen, sonnigen Sonntag, Claudia

  2. Edith Götschhofer

    Liebe Claudia,das war jetzt interessant zu lesen wie es dir ergangen ist..naja ich hatte heuer meinen 60ten Geburtstag,allerdings habe ich in nicht gefeiert.Mir war so gar nicht danach.60 Jahre..was bleibt mir da noch viel vom Leben??ich möchte noch so vieles machen,bis Juni habe ich gearbeitet.Nun genieße ich mal die Zeit die ich zur Verfügung habe,das ist ein schönes Gefühl.Bloggen mit 60Jahren,ist ganz was seltenes,ja es gibt Senioren Blog,aber das ist nichts (noch)für mich.Nun grüße ich dich ganz herzlichst..lass es dir gut gehen!Edith.

    1. Claudia Braunstein

      Liebe Edith, es bleibt dir noch genug vom Leben! Du hast ein schönes Hobby, deinen Blog. Und ja, es stimmt, Ü60-Blogger, die sind wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. aber das ist doch vielleicht ein Anreiz, noch mehr daraus zu machen und auch mit deinem Alter zu spielen. Ich habe meinen Schwerpunkt auf Ü50 auch erst vor kurzem verstärkt. Es war mir davor nicht wirklich klar, dass das tatsächlich ein Thema ist. Also, liebe Edith, genieße die Zeit! Herzliche Grüße aus Salzburg, Claudia

  3. Claudine

    Liebe Claudia,
    ich fand es sehr interessant deinen Artikel zu lesen, weil ich genau zwischen 40 und 50 bin. Ich merke bislang eher an meiner Einstellung, dass ich nicht mehr um die 30 bin. Körperlich zum Glück noch nicht.
    Es ist toll, dass du so in die Öffentlichkeit gehst mit deiner Erkrankung und was man daraus machen kann. Das Thema war mir nämlich wirklich unbekannt bis heute!
    Beim bloggenm habe ich manchmal schon das Problem, das ich nicht wirklich verrate wie alt ich bin. Ich will mir Optionen bei der Zusammenarbeit offenhalten, die ich sonst vielleicht nicht mehr hätte. Die Szene ist schon sehr jugendlich und Ü30 ist ja schon uralt für manche. Deinen Blog werde ich ab jetzt regelmässig besuchen und auch meiner Mutter empfehelen. Die wird dieses Jahr 70 und ist begeisterte Blogleserin 🙂

    Liebe Grüße
    Claudine / http://www.claudinesroom.com

    1. Claudia Braunstein

      Liebe Claudine, ich stelle vermehrt fest, dass es viele Kooperationspartner gibt, für die ich gerade wegen meines etwas fortgeschrittenen Alters interessant bin.Ü50 gibt es nur ganz wenige BloggerInnen.. Auch wenn es oft nicht so erfreulich wirkt, müssen wir erwachsenen Frauen wirklich noch mit den jungen Mädels mithalten? Ich kann heute mit meiner Lebenserfahrung gut punkten. Sogar meine Behinderungen und meine inzwischen überstandene Krebserkrankung sind öfter ein Pluspunkt, so etwas können nur wenige Blogger anbieten. Ich kenne übrigens eine größere Anzahl an BloggerkollegInnen, die an Krebs erkrankt waren oder sind und das nie publik machen würden. Für mich war der Weg in die Öffentlichkeit ein Befreiungsschlag, weil meine Behinderungen beim ersten Wort erkennbar sind, und viele Menschen Spracheinschränkungen mit geistiger Behinderung gleichsetzen. Das war für mich sehr bitter und der Weg darüber offen zu sprechen, hilft mir ungemein. Ich weiß auch, dass ich dadurch anderen Menschen helfe, sich nicht mehr mit Einschränkungen zu verstecken. Sag deiner Mama unbekannterweise schöne Grüße aus Salzburg, herzlichst Claudia

  4. Sabina Wassermann

    Hallo Claudia, ja, was ändert sich…. Diese Frage schwebt im Raum, da auch ich in diesem Jahr 50ig werde, ich!! die noch während sie dies hier schreibt, laut ausrufen möchte, dass sich irgendwer oder jemand schlichtweg verrechnet haben muss. Denn ich, ja ich, BINA kann ja noch gar nicht 50 werden. Es passt so gar nicht zu meinem Kopfkino. Noch so vieles, das ich machen will, ausprobieren, erkunden… Die Zeit nach vorne ist auf einmal absehbar.
    Ich habe in meinem Leben immer alle Meilensteine anders als die Masse gesetzt, es war für mich nicht anders denkbar und es ist einfach aus so passiert. Studiumsbeginn „erst“ mit 27, nach erfolgreichen 8 Jahren in Job, auch lange im Ausland, abgeschlossen mit 40 weil das Leben meiner Planung einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Selbständig mit über 40 in der heutigen Zeit…
    Nie hatte ich Schwierigkeiten einen Traum umzusetzen, daran halte ich einfach fest, um mich nicht durch die Zahl 50 jetzt verunsichern zu lassen.
    Texte von Frauen wie dir, die gefallen mir und ich fühle mich angesprochen in Kontakt zu treten. Ich spreche hier mein größtes Kompliment für deine Bloggertätigkeit aus, ich finde es super, was du tust. Auch in diesem „Alter“
    Es wird mich freuen, uns auszutauschen.
    Schönen Sonntag und glg Sabina
    http://www.binabags.at

    1. Claudia Braunstein

      Liebe Sabina, danke für deinen langen Kommentar. Ich hatte ja nicht wirklich Zeit meinen 50er zu feiern, weil ich da noch sehr mit meiner Krebserkrankung beschäftigt war. Ich werde heuer 55, das beschäftigt mich ein wenig, weil dann der 60er immer näher rückt. Manches, werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen, da bin ich mir sicher, aber ich lebe in vollen Zügen und schaue trotzdem sehr auf mich. Ganz liebe Grüße, Claudia

  5. Gabi

    Hallo Claudia. Als ich fünfzig wurde habe ich gar nicht groß darüber nachgedacht. Nun sind ja schon wieder 10 Jahre vergangen. Wenn man sich gut fühlt und gesund ist, dann sollte man sehr froh sein. Das hört sich immer so banal an. Doch wenn ich mir vorstelle, was Du schon erlebt hast, dann ist das ein großes Glück, die Gesundheit! Wenn ich mal einen nicht so guten Tag habe, denke ich sofort an Menschen wie Dich, was Du aushalten hast müssen. Dann wird man gleich wieder zufrieden! Lg. Grüße Gabi

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