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Persönliches

Empty Nest Syndrom, das muss nicht sein

Interessanterweise häufen sich in letzter Zeit Berichte und Blogartikel von Kolleginnen, denen in den kommenden Monaten der Auszug eines oder mehrerer Kinder bevorsteht. Die meisten der Betroffenen sind in meinem Alter, also knapp unter oder knapp über 50.
Ich bin relativ jung Mama geworden. Bei der Geburt meines ersten Sohnes war ich 22 und mein jüngster Sohn kam bald nach meinem 30er auf die Welt. Bei den Töchtern war ich 25 und 29 Jahre alt. Fast unvorstellbar, dass ich bereits eine Tochter mit 36 Jahren haben könnte. Eine weitere wäre 31 und ein weiteres Kind würde heuer seinen 11. Geburtstag feiern. Zwei der Schwangerschaften fanden jeweils im vierten Monat ein Ende, und eine Schwangerschaft wurde in einem sehr fortgeschrittenen Stadium auf Grund der schweren Behinderungen des Kindes beendet. Ja, sieben Kinder das wären wirklich viele, aber selbst so eine große Anzahl schützt nicht davor, dass alle irgendwann gehen.

SEIT ZWEI JAHREN WIEDER KINDERLOS

Und nun führe ich seit zwei Jahren mit meinem Mann wieder ein kinderloses Dasein, zumindest im häuslichen Bereich. Natürlich bleibe ich ewig Mama, das zeigt sich durch fast täglichen Kontakt mit meinen Kindern auf diversen elektronischen Kanälen. Wir telefonieren auch sehr häufig und wenn es möglich ist, dann sehen wir uns auch persönlich. Die Jüngsten leben in Salzburg, im Schnitt treffen wir uns einmal wöchentlich. Die ursprünglich geplanten, gemeinsamen Sonntagsessen sind jedoch kaum einzuhalten.
Meine ältere Tochter lebt am Stadtrand von Wien, gut drei Stunden entfernt, aber wir sehen uns zumindest einmal im Monat, wobei meist ich mich auf den Weg mache. Nun kommt bald das zweite Enkelkind, ein Grund mehr öfter in den Osten zu fahren.
Der älteste Sohn hat sich vor gut einem Jahr auf den Weg in ein anderes Leben gemacht. Vor allem auf einen anderen Kontinent. Er lebt nun schon den zweiten Winter samt seiner Lebensgefährtin in Asien und unterrichtet dort Tauchschüler. Das war für mich anfangs wirklich ein ganz großes Problem, weil ich mir so gar nicht vorstellen konnte, dass er so weit entfernt sein würde. Eine Distanz die man nicht so einfach von einem Tag auf den anderen bewältigt. Ich sehe es ja gerade, wie aufwändig die Planung meiner Reise im März zu meinem Kind ist.
Das ist also die Situation, seit alle Kinder aus dem Haus sind.

VON 6 AUF 2 PERSONEN-WG

Ich erinnere mich mit großem Schrecken daran, als vor mehr als zwei Jahren die beiden *Kleinen* innerhalb eines Monats auszogen. Beide lebten mit ihren Partnern bei uns oder mit uns. Ich trat im Herbst 2015 wieder einmal eine Reha an und just zu diesem Zeitpunkt verließen die Nachkommen das elterliche Nest. Das bedeutete, dass ich nach drei Wochen heimkehrte und eine halbleere Wohnung vorfand, mit einem relativ unglücklichen Ehegespons.
Ich muss dazu sagen, dass wir immer sehr viel Trubel und Bewegung um uns hatten. Neben den vier Kindern lebte noch 15 Jahre meine selige Omi bei uns. Dazu kamen gerade während der Ferien ständig Pflegekinder dazu. Lange Zeit lebten auch Au Pairs bei uns. Abgesehen vom täglichen Besucherstrom, war immer irgendetwas los. Das bedeutete, dass es selten Ruhe gab. Und das sollte sich mit dem Auszug der Kinder dann sehr verändern.

UNBERECHTIGTE ANGST VOR DER ZWEISAMKEIT

Ich hatte tatsächlich Angst vor der Situation. Es warf sich ja auch die Frage auf, wie man als Paar nach 30 Jahren wieder in die Zweisamkeit findet.
Erstaunlicherweise hat sich das alles sehr positiv und unkompliziert entwickelt. Ein Grund dürfte natürlich auch sein, dass mein Mann und ich immer schon sehr eigenständige Leben führten, das kam jetzt zu Gute. Wir gehen oft getrennte Wege, empfinden das aber beide nicht als negativ. Wir hatten immer eine gute Kommunikationsbasis und viele gemeinsame Interessen, das ist natürlich für ein Leben zu zweit unabdingbar. Selten, dass wir nicht wissen, worüber wir uns austauschen könnten. Dass wir auch davor nicht ständig aufeinander pickten und jeder seit langem seinen eigenen Freundeskreis hat, ist ein großer Vorteil, so war der Übergang von der Familien-WG zur neuerlichen Zweisamkeit nicht mehr sehr dramatisch.

Es hat nicht lange gedauert, dass ich mich an diese neue Situation gewöhnt hatte.  Wir haben die Wohnung verändert, Zimmer getauscht, ein Gästezimmer installiert und ich habe seitdem ein eigens Büro samt Fotoecke. Diese Aktivitäten haben natürlich abgelenkt.

NEUE FREIHEITEN

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde meine Mutterschaft hätte mich über Jahrzehnte eingeschränkt. Ich konnte mich auch als Vierfach-Mama frei bewegen und entfalten. Lange Zeit hatte ich kleine Helfer im Haushalt, die mir den Rücken frei gehalten haben und meine selige Omi hatte einen großen Teil des Familienalltags fest im Griff. Aber ich freue mich heute darüber, dass ich wirklich keine Verpflichtungen mehr habe. Ich freue mich, wenn die Kinder kommen, auch wenn sie länger bleiben, wie das bei den beiden Älteren der Fall ist, es stört mich aber auch nicht, wenn wieder absolute Ruhe einkehrt.

Ich halte es für sehr wichtig, dass man weiß, womit man seine persönliche Zeit gut füllt. Das sollte man nicht erst dann bedenken, wenn die Kinder außer Haus gehen.

5 Comments Empty Nest Syndrom, das muss nicht sein

  1. Gabi

    Hallo Claudia, ich kenne diese Themen von Freundinnen oder auch von meiner Mutter. Früher war immer voll Action im Elternhaus -plötzlich so viel Stille. Gut, das ist sehr lange her. Wenn man keine Kinder hat, so wie ich, dann lebt man natürlich ganz anders. Viele Freunde auch, doch man ist sehr aufeinander fixiert. Doch wir haben das alles auch sehr gut hingekriegt. Manchmal haben Frauen zu mir gesagt, wenn sie keine Kinder hätten würden sie nicht mehr mit dem Mann zusammensein. Da war ich schon etwas erstaunt, entweder man liebt dich oder nicht. Jedenfalls gefällt mir Dein Beitrag! Lg. Gabi

    1. Ulrike

      Wir waren darauf vorbereitet und doch war es überraschend. Während man als Paar in die Aufgabe der Elternschaft hineinwächst und 9 Monate Zeit hat, sich darauf vorzubereiten, ist das Kind/die Kinder innerhalb von Stunden weg. Wir haben noch wochenlang zu viel eingekauft ;-). Aber auch das ist vorbei und wir genießen unsere Freiheiten, jeder für sich und zusammen und das ist sehr schön.

      1. Claudia Braunstein

        Liebe Ulrike, jetzt musste ich herzlich lachen, ich kaufe heute noch zu viel ein, mir fehlt oft der Maßstab für zwei Personen, weil ich immer Großmengen eingekauft habe. Natürlich ist man irgendwie darauf vorbereitet, man will die Nachkommen ja auch nicht ewig im Haus haben, aber es ist dann immer so plötzlich. Liebe Grüße in den Norden, Claudia

    2. Claudia Braunstein

      Hallo Gabi, ich habe in meinem Umfeld mehrere Frauen die sich beim Auszug der Kinder dann auch gleich vom Mann getrennt haben, das ist offenbar keine Seltenheit. Ganz so leicht ist der Schritt in die Zweisamkeit nicht, vor allem, wenn es davor schon nicht mehr sehr stimmig war und man wegen der Kinder zusammengeblieben ist. Liebe Grüße Claudia

  2. Wonderful Fifty

    Hallo Claudia,
    das Thema stand bei uns auch vor ein paar Jahren an, da sind beide Kinder nach der Matura gemeinsam nach Wien gezogen und von einem Tag auf den anderen war unser Zuhause kinderlos. Anfangs gab es noch den wöchentlichen Besuch, doch da sich ihr Bekanntenkreis auch immer mehr in die Stadt verlagert hat, wurde das auch immer weniger. Mittlerweile sind beide aus beruflichen Gründen im näheren bzw. weiteren Ausland wohnhaft, sodass die Besuche nur sehr selten möglich sind. Aber heuer zu Weihnachten war die gesamte Familie wieder mal für mehrere Tage vereint 🙂
    Natürlich brachte der Auszug der Kinder einige Änderungen mit sich, wie etwa beim Einkauf, bei der Wochenendplanung, bei der Abendgestaltung, bei der Urlaubsplanung; aber wir haben das bisher aus unserer Sicht gut gemeistert: jeder hat seine eigenen Interessen, wir haben gemeinsame Interessen und die Kinder ergänzen das wunderbar, wenn sie zu unserer Freude bei uns aufkreuzen.
    Alles Liebe

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