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Lifestyle / Persönliches

Jungendwahn, der große Selbstbetrug

Hier am Blog spiele ich oft  mit meinem Alter. Es gibt gute Gründe zu betonen, dass ich über 50 bin, denn ich möchte ja auch Leserinnen und Leser dieser Altersgruppe ansprechen. Darum ist es notwendig diversen Suchmaschinen einen meiner Inhalte zu vermitteln. 50plus eben. Und um diese Aufmerksamkeit zu erlangen ist es erforderlich, dies in die Beiträge einzubauen.

ALTERN IST NICHT IMMER CHARMANT

Im richtigen Leben ist mir meine Alter nicht so wichtig. Aber ich hadere tatsächlich manchmal damit, weil älter werden nicht immer charmant ist.  Weisheit und Erfahrung wiegen den körperlichen Verfall nicht immer auf. So sehr ich mich bemühe, aber mein Körper ist trotz vieler Aktivitäten nicht mehr straff und glatt. Ja, meine Krebserkrankung und die folgenden schweren Therapien haben das Ihrige getan. Vor allem der rapide Gewichtsverlust von 18 Kilogramm in nicht einmal drei Monaten. Mit 45 kg besteht man tatsächlich nur mehr aus Haut und Knochen. Heute nach fast sechs Jahren habe ich mich auf 56, 57 kg eingependelt. Ein Gewicht, das mich sehr viele Jahre begleitet hat. Und trotzdem ist der Körper heute verändert. Letztlich hat die vorjährige Bauch-Notoperation die Situation auch nicht verbessert, im Gegenteil. Ich jammere nicht darüber, aber glücklich bin ich nicht damit. Oft werde ich wegen solcher Aussagen auch angegriffen und darf mir dann anhören, ich möge doch froh sein, dass ich überhaupt lebe. Ja, das bin ich auch, sehr froh sogar, trotzdem erlaube ich mir, nicht immer mit allem nur glücklich zu sein, nur weil ich eine schwere Krankheit überlebt habe.

ALTER HAT VIELE VORTEILE

Natürlich bringt Alter viele Vorteile mit sich. Es sind die Erfahrungen und Erlebnisse die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben. Auch wenn schmerzliche Lebensabschnitte dabei sind, man kann daraus seine Konsequenzen ziehen und Änderungen herbeiführen. Einer meiner Lieblingssprüche meiner verstorbenen Omi :

Das Erlebte kann einem keiner wegnehmen.

Viele Menschen in meinem persönlichen Umfeld haben einen ähnlichen Zugang zum Alter wie ich. Die meisten versuchen sich in Schuss zu halten, sei es durch sportliche Betätigungen, kosmetische Behandlungen und einem gesunden Lebensstil. Auf das Äußere wird  viel Wert gelegt, jedoch gibt es in meiner Umgebung nur ein paar ganz wenige Menschen, eigentlich nur Frauen, die sich tatsächlich auch unter das Messer legen. Spätestens nach dem dritten Eingriff ist das dann auch augenscheinlich. Aber das soll bitte jeder handhaben wie er will. Ich würde auch nie behaupten, dass ich mich von solchen Maßnahmen gänzlich ausschließe. Ich hatte  korrigierende Nachoperationen, weil ja auch am Hals sehr großzügig operiert wurde. In letzter Zeit stelle ich fest, dass meine rechte, untere Gesichtshälfte immer weniger wird, weil dort kein natürliches Fett mehr vorhanden ist. Vielleicht wäre eine Aufpolsterung mit Eigenfett eine Option, auch um meinen oft ungehemmten Speichelfluss in den Griff zu bekommen. In dem Fall wäre das nicht nur eine optische Nachbesserung, sondern tatsächlich ein medizinischer Eingriff.

EWIG JUNG

Was mir aber in letzter Zeit so massiv ins Auge sticht ist dieses permanente Betonen wie jung man mit 50 und darüber  noch wäre. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist dieses Phänomen nicht wirklich präsent, aber in meinen Social Media Kanälen werde ich sehr oft damit konfrontiert. Ich wurde vor geraumer Zeit in eine virtuelle Community für Frauen 50plus eingeladen. Natürlich schaue ich mir so etwas an, weil es ja auch potenzielle Leserinnen geben könnte. Ich bemerke aber in dieser Gruppe hauptsächlich Damen die ständig mit Floskeln wie *ich bin 57 Jahre jung, fühle mich aber wie 32*, *ich bin 54 Jahre jung und mein lieber, zweiter Mann ist 35, der hält mich richtig jung*. *Hallo ich bin Erni, 63 Jahre jung und bin im Herzen immer noch 35.* *Ich bin Mimi, 56 Jahre jung, ich weiß, ich sehe viel jünger aus, das wird mir auch immer bestätigt*.

Nach meiner subjektiven Meinung sehen all diese Damen so alt aus wie sie sind, manche wirken sogar älter. Bei einigen Bildern habe ich mich auch gefragt, vor wie vielen Jahren diese denn aufgenommen wurden. Es ist tatsächlich für mich befremdlich, wie sehr manche Menschen immer wieder betonen, wie jung sie denn nicht seien. Wie misst man denn diesen Zustand, in welcher Einheit? Ja, die Altersangabe ist ein  Wert, den kann man nur durch Fälschung ändern. Ich finde es auch ziemlich lächerlich, wenn besonders Frauen ihr Alter nicht nennen oder nach unten setzen. Obwohl, ein inzwischen verstorbener Freund hat in den 90ern sogar seinen Pass gefälscht, um sein wirkliches Alter von damals 78 auf 68 zu reduzieren. Er sah tatsächlich nicht wie 78 aus und war körperlich sehr fit. Die Sache flog übrigens auf, wurde in Salzburgs Blätterwald genüsslich verbreitet und der Gute wurde auch verurteilt. Eigentlich traurig, wegen so einer Unwichtigkeit seinen Leumund auf’s Spiel zu setzen.

ICH BIN SO ALT WIE ICH BIN

Warum muss man ständig betonen, wie jung man denn sei? Wo liegt das Problem ganz ehrlich zu sagen, ich bin so und so alt. Und warum wird man schräg angeschaut, wenn man alle heiligen Zeiten betont, dass altern nicht immer lustig ist ist. Solche ehrlichen Statements hört man relativ selten. Ich habe oft das Gefühl Menschen lügen sich wirklich selbst an was das Alter betrifft, aus welchen Gründen auch immer. Schade eigentlich.

Diesen Beitrag von meiner Freundin und Bloggerkollegin Sonja Schiff von Vielfalten möchte ich gerne noch ans Herz legen. Danke  für die durchaus wissenschaftliche Erklärung.

10 Comments Jungendwahn, der große Selbstbetrug

  1. Dagmar von Bestager-Reiseblog

    Liebe Claudia,
    Sehr schöner Beitrag über das Alter. Ich bin ganz deiner Meinung, ich stehe zu meinem Alter und betone auch immer wieder, dass ich die Zeit nicht mehr zurück drehen möchte. Ich habe schon viel erlebt, durchgemacht, nicht alles davon möchte ich nochmal erleben.
    Liebe Grüße Dagmar

  2. Gabi

    Hallo Claudia. Wann hat das angefangen über das Alter so ein trara zu machen. Ganz frei bin ich auch nicht davon. Ich hatte bisher das Glück nie krank gewesen zu sein. Bin Jahrgang 1954. Auch ich habe da einen Beitrag geschrieben mit Augenzwinkern. Freue mich, dass Du heute schon die zweite Bloggerin bist, die ich finde mit 50plus. Liebe Grüße Gabi

    1. Claudia Braunstein

      Hallo Gabi, das ist ein gute Frage. Ich denke die sozialen Medien haben diesen Umstand vermehrt geprägt. Liebe Grüße, Claudia

  3. Ela

    Was gür ein toller Post. Ich bin srlbst über 50 und ja, es macht mit Spaß gut auszusehen. Allerdings hasse ich den Satz: „Du siehst ja gut aus für dein Alter“. Indiziert er nicht, dass ich mich mit 30jährigen messen oder vergleichen soll. Was heißt pberhaupt „für dein Alter“? Entweder sehe ich gut aus oder eben nicvt, das hat nichts mit dem Alter zu tun. Vielleicht sehe ich etwas jünger aus, aber mein Körper fühlt sich z.Zt. ziemlich alt. Und ich hoffe doch sehr, dass mein Geist aus jedem einzelnen gelebten Jahr Lehren gezpgen hat. Darauf bin ich stolz, denn ich habe doch auch jedes gemeistert, egal wie scheierig es war.
    Liebe Grüße
    Ela

    1. Claudia Braunstein

      Hallo Ela, oh, ja dieser Satz *du siehst ja gut aus, blablabla*. Ich habe das oft in meiner langen Krankheitsphase gehört, nach dem Motto *Für das, dass du so schwer krank bist, schaust eh gut aus.* da knn man nur den Kopf schütteln. Ich fühle mich weder alt, noch jung, alterslos sozusagen, auch wenn ich bekenne, dass ich eben nicht mehr 25 bin. Ich fühle mich wie Claudia Braunstein, und das ist gut so. Meistens sehr gut drauf und selten grantig. Liebe Grüße, Claudia

      1. Gabi

        Hallo Ela. Dieser Satz macht mich auch narrisch. Ich habe das auch in meinem Beitrag erwähnt, was ist den wenn ich nicht so gut ausschaue für mein Alter? Wenn ich so alt ausschaue wie ich bin? Ha, da könnt ich mich glatt aufregen und das tu ich selten! Liebe Grüße Gabi

  4. Simone

    Danke Claudia, das Du „Sonja Schiff von Vielfalten“ die Gelegenheit gegeben hast hier zu schreiben. Wir, Deinen Leser sind somit in den Genuss eines sehr berührenden, von Grund auf ehrlichen und aufrichtigen Artikel gekommen!

    Sonja, jedes Wort wirkt nach! Mit jedem Wort hast Du so recht! Danke, für Deine Offenheit! …genau so ist es …..

    Ganz liebe Grüße von Simone
    aus der „Best-Ager-Lounge“

  5. Ingrid Staufer

    Hallo Claudia,
    ja ich kann mich nicht erinnern das das bei meiner Mutter und ihren Freundinnen ein Thema war. Und mir fehlt dieses Gen* auch, Gottseidank.
    *jammernübersalter
    Nur manchmal erwisch ich mich, das ich erschreck wenn ich in den Spiegel schau. Da hinkt manchmal mein Hirn dem Körper hinterher;-)
    Bis bald
    lg ingrid

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