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Interview / Salzburg

Salzburger Festspiele 2017; Felix Kreutzer sitzt in der Tischgesellschaft des Jedermann

Schon vor geraumer Zeit habe ich mir für den heurigen Sommer vorgenommen, den Salzburger Festspielen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür gibt es eine eigene Rubrik mit persönlichen Tipps und Eindrücken rund um das Kulturfestival, das Salzburg seit bald hundert Jahren jeden Sommer für rund sechs Wochen in Beschlag nimmt.
Über bekannte Künstler und große Opern Premieren wird genug geschrieben. Ich möchte gerne ein paar Menschen vorstellen, die ein Teil des großen Festspiel-Betriebes sind.

MENSCHEN RUND UM DIE SALZBURGER FESTSPIELE

Fast jeder Salzburger kennt irgendjemanden der in den Sommermonaten in irgendeiner Form mit dem Festival zu tun hat. Auch in meinem persönlichen Umfeld gibt es zahlreiche Menschen, die in diesem Rahmen eine Tätigkeit verrichten. Gerade im Freundeskreis meines jüngsten Sohnes arbeiten einige junge Leute während der Ferien in diesem Bereich. Statisten, Bühnenarbeiter und sogar richtige Schauspieler. Oder zumindest angehende Schauspieler, wie Felix Kreutzer, genannt Fex, der auch heuer wieder in der Tischgesellschaft des Jedermann sitzt. Ihn habe ich zum Interview gebeten.

FELIX KREUTZER; JUNGSCHAUSPIELER IN DER TISCHGESELLSCHAFT

Lieber Fex, schön, dass du dir ein wenig Zeit nimmst, um mir ein paar Fragen rund um dein Engagement bei den heurigen Festspielen zu beantworten.

Wir kennen uns ja schon einige Zeit durch meinen jüngsten Sohn Dorian, durch den du oft bei mir zu Hause warst. Ja, ich erinnere mich an so manche Party, die ihre vor gut 10 Jahren gefeiert habt.
Du erinnerst dich hoffentlich noch an diese Zeiten?
Natürlich. Oft und gerne. Diese Erinnerungen spicken natürlich auch die Stadt in der ich jetzt gerade arbeiten darf. Und natürlich unsere schönen Gespräche bei euch in der Küche bleiben unvergessen.

Auch wenn du nicht mehr im direkten Umfeld bist, ich habe dich nicht aus den Augen verloren.
Nun sitzt du heuer zum zweiten Mal in der Jedermann Tischgesellschaft.

Der Jedermann ist für viele das wohl bekannteste Schauspiel-Stück der Salzburger Festspiele.
Welchen Stellenwert hat eine Rolle für einen so jungen Schauspieler wie dich?
Beim Jedermann mitwirken zu dürfen ist für einen angehenden Schauspieler natürlich eine große Ehre. Für einen angehenden Schauspieler der aus der Nähe Salzburgs stammt und diese als zweite Heimatstadt empfindet, noch viel mehr.
Sowohl als Teil der Tischgesellschaft zu sein, als auch einfach bei einem solchen Prozess dabei zu sein, ist sehr faszinierend. Man kommt in Kontakt mit den unterschiedlichsten Künstlern und Persönlichkeiten. Das ist für mich einer der schönsten Aspekte dieses Sommers, aber auch des Berufs im Allgemeinen.

Wie bist du zu dieser Rolle gekommen?
Mit einer ganz klassischen Bewerbung. Allerdings anscheinend am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Das war im April vergangenen Jahres als ich gerade zu Besuch bei meinen Eltern in Laufen war und es bedauert habe keinen Sommerjob zu haben. Also habe ich einfach den Festspielen geschrieben und angemerkt, was es für mich bedeuten würde, nicht nur als Zuschauer bei den Festspielen zu sein. Zwei Tage später bekam ich einen Anruf und direkt ein Angebot, da einer der Schauspieler aus der Tischgesellschaft abgesprungen war. Und so durfte ich dann, mit viel Glück, letztes Jahr den Bären aus der Tischgesellschaft mimen. Ich muss sagen, dass war der schönste Theatersommer bisher.

Die Frage, die auf der Hand liegt. Was bewegt einen jungen Menschen Schauspieler zu werden?
Da Schauspiel schon als Kind ein wesentlicher Part meiner Freizeit war, war die Option und der Traum immer in mir verankert. Gerade die Förderung in meiner Zeit am Gymnasium durch Bernadette Heidegger, die bei uns das Unterrichtsfach Bühnenspiel leitete, hat mich Blut lecken lassen. Als ich dann das Glück hatte durch eine Regiehospitanz am Volkstheater Wien zu arbeiten , den Theateralltag kennenzulernen und hier auch einige kleine Rollen zu ergattern war mir wieder klar, was ich wollte. Jetzt beende ich nächste Jahr schon mein Studium, welches mir natürlich nochmal gezeigt hat, was es bedeutet dieses Hobby als Beruf annehmen zu wollen und natürlich wie unsicher und schwierig dieser Beruf sein kann. Aber ich denke mir zunehmends: Welcher Beruf ist das nicht?

Was sind deine nächsten Ziele?
Ab diesem Herbst beginne ich Vorzusprechen und mich zu bewerben. Das ist natürlich ein wichtiger Schritt in der Ausbildung. Das bedeutet, als einer von vielen nach einem Engagement zu suchen. Das ist natürlich mit einigen Ängsten verbunden, aber auch mit der Lust auf einen neuen Schritt ins Unbekannte. Und natürlich steht mir noch ein Jahr Studium bevor mit einigen Projekten und mit meinem Bachelor den ich im nächsten Sommer machen werde.

Was war deine bisher aufregendste Rolle?
Die bisher intensivste Theaterarbeit die ich machen durfte, war das Stück „Kalbfleisch“. Wir haben uns in einer Stückentwicklung mit dem Thema der Zwangsprostitution von minderjährigen Mädchen auseinandergesetzt. Sowohl sich mit so einem Thema zu beschäftigen, als auch ein solches politisches und gesellschaftskritisches Stück auf die Bühne zu stellen, war eine sehr intensive Erfahrung. Das hat vor allem noch einmal einen wichtigen Aspekt des Berufes für mich aufgezeigt: sich zu positionieren und etwas auszusagen. Spätestens als wir das Stück an zwei Tagen vor über tausend Jugendlichen spielen durften und mit Ihnen danach ins Gespräch kamen, wurde mir vieles klar. Hier konnte man sehen was Theater kann und soll: zum nachdenken und vielleicht umdenken anregen.

Wo möchtest du gerne in 10 Jahren beruflich stehen?
Das wird sich zeigen. Aber ein sehr toller Kollege von mir hat vor Kurzem zu mir gesagt: „Du musst eine intelligente Bestie werden. Alles andere ist unsexy.“ Das ist Programm.

Lieber Fex, ich bedanke mich ganz herzlich, für das Gespräch. Ich wünsche dir für deinen beruflichen Werdegang alles erdenklich Gute. Vielleicht sehen wir dich als Jedermann 2035.

Ausbildung: Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (2014-2018)

Theater
2017 | Jedermann | Tischgesellschaft | Michael Sturminger | Festspiele Salzburg
2017 | kohlhaaz (wir sind überall) | Computer Sterni | Volker Schmidt | Schauspielhaus Wien
2016 | Jedermann | Tischgesellschaft | Julian Crouch, Brian Mertes | Festspiele Salzburg
2016 | Coriolan | Leutnant des Aufidius / Bürger | Carolin Pienkos | Akademietheater Wien
2015 | Kalbfleisch | Diverse Rollen | Estera Stenzel | MUK.theater
2014 | Die Vögel | Chorführer | Thomas – Schulte Michels | Volkstheater Wien
2013 | Maria Stuart | Höfling | Stephan Müller | Volkstheater Wien
Film | TV
2017 | SOKO Donau | Satel Film |Holger Barthel
2016 | Pharma | Kurzfilm | Malina Nwabuonwor
2015 | Nightlight | Musikvideo | Bernhard Wenger, Rupert Höller
2015 | Medystopia | Kurzfilm | Jan Köllges

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