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Gesundheit / Persönliches

Magere Jahre; eine Rezension

Eine Rezension auf claudiaontour.com? Das mag sich so mancher Leser jetzt fragen. Es wird keine neue Rubrik mit dem Titel Rezensionen hier geben. Diese kleine Buchvorstellung bleibt eine Ausnahme, so wie jene Rezension des Buches meiner Freundin Sonja Schiff.
Trotzdem gibt es Gründe, warum ich über *Magere Jahre* von Nicole Knörr ein paar Worte verlieren möchte. Ich rezensiere ganz gerne Kochbücher, die stelle ich dann auf meinem Foodblog vor. Dadurch habe ich Kontakte zu diversen Verlagen. Vor geraumer Zeit wurde mir dieses Buch angeboten und der Titel erinnerte mich schlicht an meine eigenen mageren Jahre, auch wenn der Hintergrund meiner Essstörung ein ganz anderer war.

KACHEXIE

Ich habe auf Grund meiner Zungenkrebserkrankung und den drauf folgenden Therapien monatelang, wenn nicht sogar mehr als zwei Jahre unter Kachexie gelitten.
Kachexie begleitet viele Krebspatienten oder auch alte Menschen am Ende ihres Lebens.
Der Körper kann die zugeführte Nahrung nicht mehr richtig verarbeiten. Der Stoffwechsel funktioniert nicht mehr richtig.
Ich konnte noch dazu auch kaum Nahrung zu mir nehmen, was meinen damaligen Gewichtsverlust noch mehr verschlimmerte. Ich habe im Sommer 2011 im Zeitraum von 10 Wochen 18 Kilo abgenommen und das bei einem Startgewicht von 63 Kilo. Ich bin 170cm groß, also war das Ausgangsgewicht nicht wirklich hoch. Ja 45 kg bedeuteten Bettlägrigkeit, volle Pflegebedürftigkeit und eine Begegnung mit dem Tod.

NULL HUNGER

Angefangen hatte es, dass ich nach dem operativen Eingriff, bei dem mir nicht nur ein Teil der Zunge entfernt wurde, kaum mehr schlucken konnte. Ich hatte einen Luftröhrenschnitt, aus dem die halbe kärgliche Nahrung wieder heraus floss. Ich verlor das Gewicht nicht nur, weil ich zu wenig Nahrung zu mir nahm, sondern weil ich jegliches Hungergefühl verlor. Mein Interesse an Essen fiel auf Null, obwohl ich mich sehr bemühte, wenigstens 1000 Kalorien am Tag zu mir zu nehmen. Heute kann ich es gestehen, dass ich bei der Kalorienzählung oft schummelte und auch hochkalorische Nahrung wegschüttete. So abwehrend verhielt ich mich jeglicher Nahrung gegenüber. Doch ich wollte eine PEG-Magensonde unbedingt umgehen. Letztlich blieb sie mir nicht erspart und nur durch eine Intervention eines Oberarztes, der die Entscheidung über meinen Kopf hinweg fällte, wurde mir im letzten Moment eine Sonde durch die Magendecke gelegt. Diese begleitete mich dann über ein halbes Jahr, nachdem ich oral überhaupt nichts mehr zu mir nehmen konnte.

Im Sommer nach der Diagnose wog ich dann sagenhafte 49 Kilo, konnte aber wieder kurze Strecken zurücklegen. Erst nach über zwei Jahren war mein Gewicht auf 54 Kilo gestiegen und mein Stoffwechsel hatte sich wieder normalisiert.

MAGERE JAHRE VON NICOLE KNÖRR

Was hat nun *Magere Jahre* von Nicole Knörr damit zu tun? Ich habe oft gehört, dass Kachexie, Bulimie und Magersucht viele Parallelitäten hätten. Und tatsächlich konnte ich auch Ähnlichkeiten im Essverhalten erkennen, auch wenn der Ursprung komplett verschieden ist. Ich wollte ja nicht dünn werden, so wie die Autorin, ich wollte meinen Körper oder mich nicht verschwinden lassen, ganz im Gegenteil, ich wollte überleben und trotzdem war ich mit der Nahrungsaufnahme total überfordert.
Magere Jahre schildert die Geschichte von Nicole Knörr, die mit erst 13 Jahren in die Magersucht abglitt. Sie erzählt die Geschichte von Missverständnissen und Wegschauen, vom Versuch sich auszulöschen und trotzdem gesund werden zu wollen. Was der jungen Autorin letztlich zum Glück gelang.

Psychotherapeutin Sylke Aust klärt auch über ihr Spezialgebiet Essstörungen auf. Was das buch zu einem guten Ratgeber macht
Ein Buch das nachdenklich macht. Das ich Eltern mit jungen Töchtern oder auch Söhnen empfehlen würde, die ihr Essverhalten verändern. Ein Buch das anregt, generell über Essverhalten und äußeres Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit in unserer Gesellschaft nachzudenken.
Mich hat das Buch sehr an meine eigenen mageren Jahre erinnert. An diese Qual überhaupt ein paar Teelöffel Brei in den Mund zu bekommen. Die Zeit, in der ich von Genuss nur entfernt träumen konnte und komplett auf Essen und Geschmack vergessen hatte.

Info für die werte Leserschaft

Magere Jahre von Nicole Knörr

 

1. Auflage 2017

Format 14 x 22 cm

184 SeitenKlappenbroschu rmit zahlreichen Fotos ISBN: 978-3-8436-0988-3

Patmos Verlag

2 Comments Magere Jahre; eine Rezension

  1. Chamy

    Liebe Claudia,

    ganz lieben Dank für deine netten Worte! Freut mich wirklich sehr von dir zu lesen! Ich verfoge deine(n) Blog(s) schon solo lange und bewundere manchmal echt deinen Mut und deine Stärke. Da kann ich nur immer wieder meinen digitalen Hut vor dir ziehen. Gerade wie du schon sagst, dass du auch Fernreisen & Co machst. Ich berichte dann wie es mir gegangen ist und gefallen hat. 🙂

    glg aus Wien, Carmen

    PS: Auch wenn man es nicht merkt (da ich eine stille Leserin bin), aber ich freue mich immer extrem wenn auf deinem Blog ein neuer Artikel erscheint, da ich die immer gleich mit großem Interesse verschlinge. Irgendwie lernt man bei dir auch jedes Mal eine neue Facette oder etwas anderes dazu. Kachexie hab ich zb noch nie davor gehört..

    1. Claudia Braunstein

      Hallo Carmen, ich freue mich immer sehr, wenn sich die stille Leserschaft zu Wort meldet. Und ich danke dir für dein schönes Feedback. Ich warte gespannt auf deine Reisberichte aus Thailand. Ganz liebe Grüße, Claudia

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