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Persönliches

Wir loben zu wenig! Ein Experiment

Wie oft benützen wir unsere Social Media Kanäle, um uns über irgendetwas aufzuregen? Auch ich mache das. Ärger mit einem Amt. Ärger mit unfreundlichem Verkaufspersonal. Benachteiligungen wegen meiner Behinderung. Schlechtes Benehmen generell. Es gibt unzählige Situationen, über die ich  auf Facebook  meinen Unmut schon öffentlich ausgesprochen habe. Oft mache ich das nicht wegen meiner ureigenen Befindlichkeiten, sondern weil ich damit auch etwas bewegen möchte. Was auch manchmal tatsächlich geschieht.

WIR LOBEN ZU SELTEN

Viel zu selten lobe ich aber Menschen, die mir durch uneigennützige Handlungen geholfen haben. Oder weil sie ihren Job besonders sorgfältig erledigen. Zum Beispiel die Belegschaft meiner früheren Zweitheimat, der Mund-Gesichts-Kieferchirurgie an den Salzburger Landeskliniken. Die sollte ich auch heute noch ständig belobigen. Oder den Paketboten, der mir unlängst, als er mir eine Paket brachte, meines mitnahm. Weil es so schwer war, dass ich es alleine niemals ins Auto tragen hätte können. Warum habe ich darüber nicht geschrieben? Eher neigt man dazu öffentlich zu erwähnen, dass der Paketbote schon wieder einen gelben Schein ins Postfach gelegt hat, anstatt zu läuten.

WIR SIND SUDERANTEN; EIN VOLK VON DAUERNÖRGLERN

Ja, wir sind ein Volk der Dauernörgler. Suderanten, wie der gelernte Österreicher zu sagen pflegt.
Ich hatte vor einigen Tagen ein sehr erfreuliches Erlebnis mit einer Mitarbeiterin der Salzburger Gebietskrankenkasse. Jener Krankenkasse, mit der ich seit Jahren leider oft genug mit unhöflichen Mitarbeitern Ärger hatte. Es ist natürlich ein ganz geringer Anteil, der wirklich unfreundlich ist. Aber ein negatives Erlebnis lässt eben gleich den ganzen Betrieb negativ erscheinen. Und ja, ich habe mich in der Funktion als Leiterin einer Selbsthilfegruppe tatsächlich auch schon beschwert, weil es eben nicht angeht, dass Menschen mit Spracheinschränkungen am Telelefon aufgefordert werden, das Essen aus dem Mud zu nehmen, bevor sie weitersprechen dürften.
Nun gab es wieder einmal ein verzwickte Situation, weil ich eine falsche Auskunft erhielt und von A nach B und zurück nach A geschickt wurde, ohne Ergebnis, versteht sich. Ja, ich war verärgert. Jedenfalls hat sich dann eine freundliche Mitarbeiterin um die Lösung des Problems gekümmert, obwohl es überhaupt nicht in ihren Aufgabenbereich fiel. Zum Glück hatte ich nach ihrem Namen gefragt und konnte mich dann über Umwegen per Mail bei ihr bedanken. Die Antwort die ich dann von dieser Dame erhielt, hat mich tatsächlich fast zu Tränen gerührt, weil es in den wenigen Sätzen spürbar war, was mein kleines Danke ausgelöst hatte.
Ein weiters sehr positives Erlebnis rund um eine misslungene, telefonische Essensbestellung in diesen Tagen hat mich dazu bewogen, lobende Worte ganz öffentlich auszusprechen.

DISKUSSION AUF FACEBOOK

Daraus wurde nun eine sehr empathische Diskussion auf Facebook, deren Quintessenz die Tatsache ist, dass wir allgemein viel zu wenig loben.
Warum? Wir haben es verlernt, wir werden selber auch zu selten gelobt. Es fällt uns leichter herumzunörgeln, als positive Verhaltensweisen auch positiv zu bewerten.
Es geht gar nicht um ein einfaches Danke, sondern tatsächlich Menschen für ihr Tun zu loben und zu begründen, warum man etwas besonders toll findet.
Wenn uns im Laufe des Tages nur ein einziges, kleines, negatives Ereignis widerfährt und wir am nächsten Tag gefragt werden, wie der gestrige Tag war, dann erinnern wir uns sicher nicht daran, dass die Sonne geschienen hat, die Kassierin im Supermarkt sehr freundlich war, das Essen im Restaurant besonders exzellent war. Nein wir erzählen in den meisten Fällen genau von diesem kleinen, negativen Ereignis.

LOBEN WIR DOCH EINFACH MEHR

Dabei wäre es so einfach, ein wenig mehr positive Resonanz zu erhalten. Loben wir doch einfach ein wenig. Es kommt tatsächlich in den meisten Fällen sehr viel retour. Sagen wir doch der Friseurin unseres Vertrauens, welch tolle Arbeit sie geleistet hat, vielleicht nicht nur ihr persönlich, sondern auch dem/r Chefin. Erwähnen wir bei der Restaurantleitung wie freundlich das Servicepersonal war.   Schreiben wir doch auch öffentlich über positive Erlebnisse und nicht nur über Dinge die daneben gehen.

Ich bin als Bloggerin in der glücklichen Lage wirklich oft Lob für meine Arbeit, meine Initiativen und Engagements zu erhalten. Dies sollte auch Menschen zu teil werden, die nicht öffentlich auftreten.

Wer Menschen einfach loben möchte, der sollte das auch  öffentlich tun. Unter dem Hashtag #vordenvorhang oder in der Facebook-Gruppe Vor den Vorhang. Und natürlich auch überall anders, wo es im beliebt. Am besten natürlich bei demjenigen, den man loben möchte.

 

4 Comments Wir loben zu wenig! Ein Experiment

  1. Tanjas Bunte Welt

    Halo Claudia
    Ja wir Österreicher können gut und viel nörgeln. Es stimmt, wir loben viel zu selten, auch weil wir der Meinung sind, dass es selbstverständlich und deren Arbeit ist, was nicht immer der Fall ist. Schöner Artikel zum Nachdenken
    Liebe Grüße

    1. Claudia Braunstein

      Ja, Tanja, wir nehmen alles zu selbstverständlich, erwarten aber selber natürlich schon Anerkennung, liebe Grüße, Claudia

  2. Horst

    Servus Claudia!

    Danke für diesen Artikel, er spricht mir aus der Seele!

    Über etwas zu nörgeln ist ja auch viel einfacher und vor allem befindet man sich ja sehr schnell unter Gleichgesinnten. Anderen Nörglern. Und wer fühlt sich nicht gerne verstanden? Und so wird gemeinsam weiter geschimpft und andere Leute schlecht gemacht.

    Spricht man jemanden ein Lob aus, wird man heutzutage nahezu schon schief angesehen. Nach dem Motto: was du geraucht hast, hätte ich auch gerne! Gut, dass du mit deinem Artikel das Lob wieder gesellschaftsfähiger machst :).

    Have fun
    Horst

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