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Persönliches

The day after; bei Vera Russwurm im TV zu Gast

Die Aufregung hat sich gelegt und ich nütze nun die Gelegenheit ein paar Gedanken zur gestrigen Ausstrahlung meines Gespräches im ORF 2 mit Vera Russwurm in ihrem Format, Das kommt in den besten Familien vor, Revue passieren zu lassen.

GESPRÄCH MIT VERA RUSSWURM

Anfang des Jahres klingelte der Regisseur der Sendung, Wolfgang Moser bei mir an, ob ich Interesse an einem Auftritt bei Frau Russwurm hatte. Wir haben uns bei einem Dreh für die Stadt Wien im Dezember kennengelernt und damals schon über diese Möglichkeit gesprochen.
Im Februar war es dann soweit. Im Vorfeld hatte ich natürlich jene Themen, die mir wichtig waren, detailliert bekannt gegeben. Es war eine sehr reifliche Überlegung, ob ich über meinen Firmenkonkurs, der ja, vor der Krankheit mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hatte, überhaupt sprechen sollte. Ich kam zu dem Schluss, dass dieses absolute Tabuthema ein wichtiger, wenn auch sehr dramatischer Teil meines Lebens ist und letztlich auch einen Zusammenhang mit meiner Erkrankung und meinem heutigen Leben hat. Trotzdem, leicht fiel mir das nicht. Aber jetzt habe ich die Möglichkeit, diese Thematik auch näher zu beleuchten, weil es genug Menschen gibt, die davon betroffen sind und denen ich vielleicht Mut machen kann.

DREH IN WIEN

Die Sendung wurde in einer schönen Wiener Altbauwohnung, die zu einem Studio umfunktioniert wurde, aufgenommen. Das machte den Rahmen sehr persönlich. Frau Russwurm kenne ich aus dem Fernsehen seit Jahrzehnten. Wir sind in einem ähnlichen Alter und ich habe ihre Karriere immer ein wenig verfolgt, aber ihre Sendungen nur sehr selten angesehen. Vera ist natürlich superprofessionell, trotzdem kam für mich ein großer Sympathiefaktor zum tragen. Sie hat ja Medizinstudium abgeschlossen und somit einen fachlichen Zugang zu meiner Krankheitsthematik, was ihr in den Fragestellungen sicher sehr entgegen kam.

VINCENT UND CHARITY BUENO; JÜRGEN RYNIO

Die Aufzeichnung dauerte keine 30 Minuten. Es musste nichts wiederholt werden. Sehr gut fand ich auch, dass ein Fachmediziner, in der Person von Pro. Alexander Gaiger zur Seite gestellt wurde. Ich kannte ihn davor nicht. Wir hatten aber vor dem Dreh ausgiebig Möglichkeit uns zu unterhalten. Die restliche Zeit verbrachte ich als Statistin im Publikum bei den anderen Gästen. Zum einen war das Vincent Bueno und seine reizende Frau Charity, die über ihre zweite, verstorbene Tochter erzählten. Das hat mich sehr an mein eigenes Schicksal erinnert. Auch wir haben vor über 30 Jahren ein schwer behindertes Kind erwartet, aber uns im Gegensatz zu den Buenos, in der 24. Woche für einen Spätschwangerschaftsabbruch entschieden. Ein weiterer Gast war Jürgen Rynio, ein ehemaliger, bekannter deutscher Fussball-Torwart, der heute eine Heim für behinderte Menschen leitet und seine Frau durch einen Selbstmord verlor. Diese beiden Beiträge wurden bereits vor einiger Zeit ausgestrahlt.
Einmal musste ich noch nach Wien fahren, um die Sequenzen für die Zwischenszenen zu drehen. Spaziergang durch die Stadt und beim Beef-Tartar.

DIE AUSSTRAHLUNG AM SAMSTAGABEND

Erst letzten Montag erfuhr ich den fixen Ausstrahlungstermin. Natürlich bin ich in meiner Community mit dem TV-Auftritt haussieren gegangen, ohne genau zu wissen, was dann tatsächlich ausgestrahlt wird. Filmschnitt kann ja auch total verfälschen. Ich sehe die Zusammenfassung als sehr gelungen an. Leider sind zwei wichtige Aussagen, dann doch der Schere zum Opfer gefallen. Ich hatte beim Dreh natürlich nicht nur meine Familie als Stütze erwähnt , sondern auch meine Mama und meine Schwester, die damals viele Fäden im Hintergrund gezogen hatten und meine Familie auffingen, wenn wieder einmal Verzweiflung und Ohnmacht Oberwasser hatten. Dafür möchte ich mich jetzt und hier ganz herzlich bedanken! Danke Mama, danke Schnu!
Und der Ausschnitt, bei dem es um meine beträchtlich Halsnarbe wurde dem zartbesaiteten ORF-Publikum erspart. Ja, ich weiß, das ist kein schöner Anblick, aber es hätte das wahre Ausmass der ganzen Sache noch mehr verdeutlicht.

DAS DANACH

Natürlich bin ich dann gestern noch bis tief in der Nacht mit dem Handy in der Hand vor dem Laptop hängen geblieben. Unzählige Menschen, bekannte, altbekannte und unbekannte haben sich bei mir über diverse Kanäle gemeldet. Viele Glückwünsche haben mich ereilt, dafür möchte ich mich bedanken. Besonders schön fand ich den Umstand, dass sich auch Krankheitsbetroffene per Mail zu Wort gemeldet haben. Somit hat der Auftritt großen Sinn gemacht und nicht nur mein Ego befriedigt.
Ich bin dann lange vor den Blogstatistiken gesessen und habe live beobachtet, was sich da alles bewegte. In einer dreiviertel Stunde waren wesentlich mehr User auf den Seiten , wie sonst in einem ganzen Monat. Ja, ich bin sehr neugierig, was sich in den nächsten Tagen tun wird.
Ein großes Danke an Vera Russwurm und das gesamte Team. Für die die große Wertschätzung und vor allem auch für die Möglichkeit, dem Thema Zungenkrebs mehr öffentlichen Raum zu geben. Das würde ich mir öfter wünschen.

Info für die werte Leserschaft
Die Sendung ist auf meinem Youtube-Kanal abrufbar.

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19 Comments The day after; bei Vera Russwurm im TV zu Gast

  1. Ingrid

    Liebe Claudia! Ihre Geschichte hat mich tief beeindruckt und ich freue mich für Sie, dass Sie den Weg zurück ins Leben geschafft haben. Ich kann Sie sehr gut verstehen, wie schwer diese Erfahrung war, wenn einen Menschen in so einer Situation plötzlich im Stich lassen. Es ging mir ähnlich nach dem plötzlichen Tod meines Bruders. Aber man wird noch stärker im Lauf der Zeit. Menschen wie Sie sind ein Vorbild. Wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und Menschen an Ihrer Seite, die es wert sind, sie zur Freundin zu haben.

    1. Claudia Braunstein

      Liebe Ingrid, herzlichen Dank für Ihren netten Kommentar, ich wünsche Ihnen alles Gute, Claudia

  2. Boebi

    Hallo Claudia,

    ich bin unheimlich stolz dich zu kennen.

    Es sind nicht nur die vielen Jahre die wir zusammen in allen Facetten mit dem Krebs geschrieben und erlebt haben, sondern auch die Zeiten danach mit der Hilfe für uns alle.

    Es tut gut soviel Ehrlichkeit erleben zu dürfen. Der Krebs ist nicht das Ende, sondern die Erkenntnis was wichtig ist im Leben.

    Liebe Grüße
    Boebi

    1. Claudia Braunstein

      Hallo Boebi, so eine große Freude, dich hier unter den Kommentatoren zu finden! Ich schick dir ganz viele liebe Grüße, Claudia

  3. Dr. Christian Hochhold, LL.M (Bergheim / Rossatz)

    Schön, dass Frau Braunstein ihre Tumorerkrankung offenbar besiegen hat können und nun wieder optimistisch in eine ereignisreiche Gegenwart und Zukunft blickt.
    Schade, dass sie beim Interview nicht ihre sehr schöne Brille getragen hat, die verleiht ihr besondere Intellektualität.

    1. Claudia Braunstein

      Sehr geehrter Herr Doktor Hochhold, danke für Ihren Kommentar, trotzdem würde ich gerne wissen weshalb sie meine Lesebrille ansprechen, ich frage mich, woher Sie diese überhaupt kennen, und ob meine Intellektualität tatsächlich nur durch einen Sehbehelf erkennbar ist? Herzliche Grüße, Claudia Braunstein

      1. Christian Hochhold

        Liebe Claudia Braunstein, danke für Ihre Nachricht. Ihre Brille kenne ich nur von dem Foto auf Ihrer Homepage unter dem Wort „Willkommen“. Dass es eine Lesebrille ist, habe ich nicht erkannt.

        Dass Ihre Intellektualität mit und ohne (Lese)brille erkennbar ist, steht fest. Tut mir leid, wenn meine Formulierung diesbezüglich missverständlich rüberkommen könnte.

        Meine verstorbene Frau (Apothekerin in Hallwang) hat ihre Brustkrebserkrankung leider nicht besiegen können und ist im Alter von 50 Jahren in Salzburg verstorben. In unseren beiden Töchtern lebt sie für mich intensiv weiter. Alle drei waren bzw. sind Brillenträgerinnen. Vielleicht auch deshalb mein spezieller Blick auf Brillen, ich habe selbst eine Sehbrille.

        Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen abschließend Gesundheit und Wohlergehen auf Ihrem weiteren Lebensweg, aber auch viel Kraft für Sie und Ihre Lieben.
        Liebe Grüße nach Salzburg , ich habe über 30 Jahre in Salzburg bzw. Bergheim gelebt.
        Ihr Christian Hochhold

        PS: Bei einer allfälligen Antwort bitte keinen Titel mehr von mir anführen. Für mich zählt nur der Mensch, nicht der oder die Titel. Vielen Dank.

        1. Claudia Braunstein

          Lieber Herr Hochhold, ich bedanke mich für die erklärende Antwort. Ich hatte den Zusammenhang inzwischen selber entdeckt, und mir war dann klar, dass Sie vermutlich am Autorenbild die Brille gesehen haben. Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Krebs sind sehr bedauerlich, ich hoffe, dass sie mit der Situation inzwischen halbwegs im Reinen sind und wieder Lebensfreude verspüren. Ja, das Leben stellt uns oft Aufgaben, die unüberwindlich erscheinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie auch weiterhin als Blogleser erhalten bleiben und schicke Ihnen liebe Grüße aus der Riedenburg, Claudia

          1. Christian Hochhold

            Liebe Claudia, für heute nur noch soviel: Ich bleibe sicher als Blogleser erhalten, nur momentan mit etwas Zeitmangel, weil ich ab morgen von St. Pölten nach Rossatz, also in die schöne Wachau, übersiedle.

            Die Trauerarbeit nach dem Tod meiner Frau (2004) ist geleistet, aber ich habe hier in St. Pölten vor fünf Jahren nochmals eine geliebte Lebenspartnerin, auch Apothekerin, durch Trennung unter tragischen Umständen verloren. Durch intensive psychotherapeutische Begleitung war es mir möglich, auch das zu überwinden und ich blicke heute, zwar partnerinnenlos, aber trotzdem mit viel Optimismus und im besten Einvernehmen mit meinen in Wien bzw. Bergheim bei Salzburg lebenden Töchtern samt Enkelin Felicitas – sie ist wirklich eine Glückliche – in eine durchaus schöne Zukunft in der Weltkulturerbe-Region Wachau. Mehr zu den letzten fünf Jahren ab 2012 gerne nochmals gesondert.

            Liebe Grüße in die Riedenburg,
            Christian H.

          2. Claudia Braunstein

            Lieber Christian, bleiben Sie mir wohlgesonnen, herzliche Grüße, Claudia

          3. Christian

            Liebe Claudia, natürlich bleibe ich Ihnen wohlgesonnen. Schreibe demnächst wieder etwas mehr.

            LG Christian (nach wie vor beim Übersiedeln in die Wachau)

          4. Claudia Braunstein

            Hallo Christian, das freut mich sehr. Ich wünsche gutes Siedeln. Der neue Wohnort ist ja sehr charmant. Ich mag die Wachau sehr gerne. Meine einjährige Fortbildung zur Psychoonkologin hatte mich jedes Monat für ein paar Tage nach Emmersdorf gebracht. Sehr charmant. Herzliche Grüße, Claudia

          5. Christian

            Hallo Claudia, danke für die guten Wünsche. Ja, die Wachau ist wunderschön, ob Emmersdorf, Spitz und Dürnstein, bzw. am rechten Donauufer die Orte Mautern, Rossatzbach und Rossatz (bin umzingelt von Heurigen bester Qualität, von wunderschönen Häusern sowie von Wein- und Marillengärten) weiters noch Schönbühel und Melk.

            Emmerdorf (auch sehr schön und lieblich) kenne ich nur ein bisschen, war zuletzt im Jahr 2016 dort.
            Vielleicht führt Sie ja der Weg – mit oder ohne Anhang – mal in die Wachau, die zweifellos charmant ist, da bin ich ganz bei Ihnen. Ich habe vor, hier jedenfalls länger (= 5 – 10 Jahre) zu bleiben.

            Herzlichst und mit lieben Grüßen
            Christian

          6. Claudia Braunstein

            Dann noch viel Spaß bein Siedeln und Neuankommen. Ja, vielleicht sieht man sich einmal in der Wachau. Liebe Grüße, Claudia

  4. Gabi

    Hallo Claudia
    was mir auch aufgefallen ist im Interview, was natürlich neben den anderen Geschehnissen eh banal ist und trotzdem so wehtun kann. Wenn man plötzlich geschäftlich Pech hat und sich die Leute, die sich vorher Freunde genannt haben vertschüssen, da trennt sich auch die Spreu vom Weizen und hoffentlich schämen die sich alle bis zum geht nicht mehr!! So was regt mich auf. Lg. Gabi

    1. Claudia Braunstein

      Liebe Gabi, jetzt wo ich so öffentlich darüber gesprochen habe, kann ich dem Thema Insolvenz auch Raum geben. Ich denke, es gibt viele Menschen die in so eine Situation geraten sind und nur allzu gut wissen, wie man mit diesem Manko lebt, oder nur mehr sehr schlecht Lebt. Misserfolg hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. scheitern darf nicht sein, so ist der Tenor. Letztlich scheitert jeder von uns irgendwann an irgendwelchen Situationen und sei es eine Trennung vom Lebenspartner. Das ist heute kein Grund mehr um sich verstecken zu müssen. Ich werde sicher diesem sehr schwierigen Thema Platz schenken und hoffe, dass ich dadurch Mut machen kann. Liebe Grüße, Claudia

  5. Christian H.

    Alles klar, liebe Claudia. Ich bin (fast) immer da – in der Wachau. Vielleicht im Sommer mal ein Familienausflug zum Fest „Alles Marille“ nach Krems-Stein ? Wenn ich nicht gerade in Lausanne am Genfer See bin, zwecks olympischen Studien, dann findet man mich zuhause in der Wachau. Bin seelisch dort schon angekommen. Übersiedlungsmäßig noch nicht ganz. Schnauf, schnauf. Aber sehr bald. LG Christian

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