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Interview / Salzburg

Blick hinter die Festspielkulissen; Janett Sumbera, Garderobenbetreuung

Janett Sumbera ist seit langem eine sehr gute Freundin meiner Schwester. Wir laufen uns alle heiligen Zeiten über den Weg und an Gesprächsstoff mangelt es uns dann nie. Janett ist Künstlerin. Ursprünglich kommt sie aus der Tanzszene, hat sich selbst das Schneidern beigebracht und arbeitet heute als Upcyclerin, Kostümbilderin und im Sommer seit vielen Jahren während der Festspielzeit als Garderobenbetreuung, vorwiegend für Aufführungen in der Felssenreitschule. Das Haus hat keine eigene Garderobenräume und muss daher auf die Räumlichkeiten des Hauses für Mozart zurückgreifen.

ATELIER IN DER HAYNSTRASSE IM ANDRÄVIERTEL

Ich habe Janett knapp vor meiner Abreise Richtung Thailand in ihrem Atelier in der Haydnstraße in Salzburgs aufsteigendem Andräviertel getroffen, um ihr ein paar Fragen zu stellen.
So wollte ich wissen, wie man an einen derartigen Job gelangt und welche Voraussetzungen man mitbringen sollte.
Es werden während der Festspiele jedes Jahr dutzende Mitarbeiter eingestellt, die nur während der Festspielsaison zum Stab zählen. Am besten, so höre ich, bewirbt man sich einfach schriftlich. Es ist von Vorteil, wenn man als Garderobenbetreuer mit Nadel und Faden umgehen kann. Aber eine berufliche Vorbildung ist nicht notwendig. So arbeiten dort gelernte Schneider neben jungen Studentinnen.


Garderobenbetreuer sind für den reibungslosen Ablauf zuständig, dass Kostüme vom Fundus zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Darsteller landen und auch passend angezogen werden. Auch der Weg zurück in die Aufbewahrung obliegt den Betreuern. Übrigens werden fast alle Kostüme jedes Jahr neu in den Werkstätten gefertigt. Chormitglieder tragen manchmal Kleidungsstücke aus vergangenen Aufführungen.
Für welche Stücke sie heuer zuständig sein wird, erfährt sie übrigens erst an ihrem ersten Arbeitstag, der gut zehn Tage vor dem eigentlichen Beginn der Festspiele sein wird.

HINTER DEN KULISSEN ZU ARBEITEN IST LUXUS

Janett erzählte mir über ihre Beweggründe, im Sommer diesen körperlich doch anstrengenden Job auf sich zu nehmen. Es ist für sie wahrer Luxus an einer so großen Produktion mitzuwirken und einen nicht unwichtigen Part zu besetzen, obwohl er von außen nicht wirklich wahrgenommen wird. Auch de Aspekt für einige Zeit ein Teil eines Teams zu sein, spielt für die Autodidaktin eine große Rolle. Sie ist in ihrer eigentlichen Tätigkeit sehr auf sich alleine gestellt, und mag den persönlichen Umgang mit alten und neuen Kollegen und auch den Künstlern.
Die Arbeitszeiten, die einer 6-Tagewoche entsprechen, unterliegen natürlich dem Arbeitsgesetz. Trotzdem kann so ein Arbeitstag bis zu 11 Stunden dauern.

GROSSE LIEBE UPCYCLING

Ihre große Liebe gilt jedoch im restlichen Jahr dem Upcycling, das sie, wie sie mir erzählt leider im Moment sehr vernachlässigt. Janett ist eine One-Woman-Show und überlegt eventuell in Zukunft eine Mitarbeiterin für zumindest einen Halbtagsjob zu suchen.
Wer übrigens nicht weiß, was Upcycling bedeutet, hier die amtliche Bezeichnung: *Abänderung von gebrauchten Textilien*. Natürlich kann man nicht nur getragene Bekleidung neu gestalten sondern auch Dinge des Alltags.
Ich habe bei Janett vor einigen Jahren einen Seidenrock aus alten Foulards erstanden, der sich wirklich sehen lassen kann.
Janett Sumbera ist auch stark in das Andräviertel integriert und nimmt an zahlreichen Veranstaltungen aktiv teil.

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